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Die Achter

Die Kämpfer. Die Beschützer. Die Draufgänger. Achter sind starke, intensive Persönlichkeiten, die in Selbstverständlichkeit wandeln. Mit ihrer körperlichen Standfestigkeit und ihrem stechenden Blick gehen sie selbstbewusst durchs Leben und schauen, wer die Macht hat. Sie besitzen eine natürliche Antihaltung jedem und allem gegenüber und sind auf der Suche nach würdigen Kampfpartnern, Menschen, die mit ihnen in den Ring steigen und an denen sie ihre Kräfte messen können, denn in der Auseinandersetzung schöpfen sie ihre Energie. Das Ziel dabei ist es immer, die Kontrolle zu übernehmen, den anderen zu dominieren, bevor sie selbst dominiert werden. Demnach gilt „Angriff ist die beste Verteidigung“. Seit ihrer Kindheit wissen Achter, dass sie sich ihren Platz in dieser Welt erkämpfen müssen und dass nur die Stärksten überleben. Sie fühlten sich als Kind womöglich in irgendeiner Form benachteiligt und sogar hilflos, haben Unrecht und Machtmissbrauch entweder beobachtet oder am eigenen Leib miterlebt und blicken seither mit einem sehr argwöhnischen Auge in die Welt. Sie haben früh gelernt, dass schwach und verletzlich sein um jeden Preis vermieden werden muss, denn sonst ist ihre Existenz bedroht. Also wird alles, was an ihre eigene Schwäche erinnert, vehement abgewehrt. Fehler werden geleugnet und die Schuld unverzüglich den anderen in die Schuhe geschoben. Entschuldigungen bleiben selbstverständlich aus. All das ist Teil des Schutzwalls, den sie sich aufgebaut haben und hinter dem sie ihre eigene Verletzlichkeit verstecken, am meisten vor sich selbst. Deshalb verstärken Achter ihr Image des unzerstörbaren Kriegers gerne mit vulgärer Sprache und rohem Machogehabe. Dabei sind sie sehr leidenschaftlich mit einem starken Sexualdrang und lieben den Exzess und die Extreme in jeder Form. Neben Stärke zählt Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Freiheit zu den höchsten Qualitäten im Leben eines Achters. Hilfe annehmen und Kompromisse eingehen stellen fast unüberwindbar große Herausforderungen dar. Deshalb sind Achter als Alphatiere entweder im Alleingang unterwegs oder diejenigen, die in der Gruppe den Ton angeben. Achter stecken ihr Revier klar und bestimmt ab während sie rigoros über die Grenzen der anderen rattern. Menschen, die in das Leben eines Achters eintreten möchten, werden mehrmals in ihrer Vertrauenswürdigkeit getestet und dabei oft ordentlich in die Mangel genommen. Dabei prüfen sie ob der andere tatsächlich ein Freund ist oder sich als solcher maskiert. So lieben Achter es, Menschen zu provozieren und herauszufordern, da sie davon überzeugt sind, dass sie in der beinharten Konfrontation die anderen aus der Reserve locken und deren wahres Gesicht zu sehen bekommen. In der extremen Ausprägung zeigt sich die Paranoia des Achters in ihrer „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“-Haltung. So fühlen sich Achter oft grundlos angegriffen und kreieren ihre Feindbilder.

Höchst impulsiv und explosiv wird dann eine aggressive Attacke der Achter als Selbstschutz gerechtfertigt. Wen sie tatsächlich zu schützen versuchen, ist das hilflose, ausgehungerte Kind, das ihnen selbst innewohnt und das sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt. Dessen sind sie sich doch meist nicht bewusst, denn der Blick ist nach außen gerichtet. Somit sind Achter oft die Behüter der Underdogs, der wahrlich Schwächeren und Benachteiligten in der Gesellschaft, und setzen sich unermüdlich für Gerechtigkeit ein. Sie sind auf der Suche nach Wahrheit und dabei handelt es sich immer um das Entlarven von Machtmissbrauch. Vergeltung üben sie selbst, denn sie sehen sich über dem Gesetz stehend und tätigen auch ohne Bedenken illegale Handlungen. Auf Diplomatie verzichten sie, denn sie verlieren nicht gerne Zeit. Achter sind Menschen, die ohne viel Nachzudenken oder zu Planen in Aktion treten und strahlen dabei unendlich viel Selbstsicherheit aus. Diese Qualität wirkt auf andere oft sehr anziehend und so werden Achter oft von den anderen zum Rudelführer erkoren. Tatsächlich sind sie dieser Rolle gewachsen, denn in der Gemeinschaft fühlen sie sich nicht nur sicher, sondern gehen für den Schutz und die Verteidigung ihrer ‚Familie‘ bis in die letzte Instanz und sind bereit, für jeden Einzelnen ihre Hand ins Feuer zu legen. Nur wenige Auserwählte bekommen die weiche Seite der Achter zu sehen, und dafür verlangen sie Treue, denn nichts trifft Achter so sehr wie Verrat. Kommt es dazu, fühlen sie sich in ihrem wundesten Punkt getroffen, ziehen sich zurück und schmieden ihren Rachefeldzug. Sie mobilisieren dann Kräfte wie ein Stier, der rot sieht, und blind vor Wut hinterlassen sie oft einen Platz der totalen Verwüstung.


Keine Ausprägung im Enneagramm ist so ambivalent wie die der Achter. Sie sind Opfer und zugleich Täter, die verletzten Krieger, die Schafe im Wolfspelz. Wie für jeden Typus gilt es auch für Achter dorthin zu gehen, wovon sie eigentlich weglaufen. Es ist deshalb absolut essentiell für Achter, zuerst ihre Impulsivität zu zügeln, innezuhalten und dann ihren Blick nach innen zu wenden, sich mit ihren Wunden auseinanderzusetzen und sich dem Schmerz zu stellen. Dann können und sollten sie ihr verkümmertes inneres Kind mit derselben rührenden Einfühlsamkeit umsorgen, wie sie es sonst bei allen anderen offensichtlich hilflosen Geschöpfen tun. Im Annehmen ihrer Unschuld wird Heilung geschehen und sie werden eine neue Qualität von Stärke erleben: eine Stärke, die aus Liebe entspringt und in Vertrauen gedeiht. Achter können dann wahre Intimität zulassen, sich gleichzeitig beschützt fühlen und loslassen. Mit dieser neugewonnenen Kraft werden Achter Wahrheit und Gerechtigkeit neu und differenzierter definieren und in ihrer natürlichen Führungsposition erkennen, wie sie das Potential jedes Einzelnen am besten fördern. So werden Achter mehr Leichtigkeit und Freude in ihr Leben einladen und sich in sich zuhause, geborgen und in Sicherheit fühlen.

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