
Die Vierer
Die Außenseiter. Die Künstler. Die Individualisten. Vierer sind kreative, emotionale, exzentrische und feinfühlige Menschen. Ihre Persönlichkeit ist facettenreich. Sie sind Tagträumer, die von einer Wolke der Melancholie umgeben sind, aber sie sind ebenso eigenwillige, leidenschaftliche Rebellen. Das rührt daher, dass Vierer sich von ihrer Umwelt nicht gesehen, verstanden und somit auch nicht geliebt fühlen. Dies hat den Ursprung in einer Kindheit, in der sie von einer wichtigen Bezugsperson, meist einem Elternteil, verlassen oder einfach nicht geliebt wurden. Sie sind überzeugt, dass sie daran Schuld hätten, da sie fehlerhaft seien, von Natur aus anders als der Rest der Welt, und dass das der Grund sei, wieso sie nicht liebenswert seien. Also flüchten sie sich in eine Traumwelt, wo sie von Unerreichbarem träumen, einem besseren Leben, und sehnen sich nach der ganz großen Liebe. Der zukünftige Partner wird idealisiert, er ist genauso anders wie sie selbst und die einzige Person, die den Vierer wirklich versteht und imstande ist, ihn zu lieben. Da Ideale nicht existieren, Vierer aber sehr anspruchsvoll sind, haben sie Schwierigkeiten, ihre Lebensfreude in der reellen Welt zu finden. Sobald Vierer mit der Wirklichkeit konfrontiert werden, nehmen sie diese so wahr, als ob andere das Geheimnis des Glücks kennen, welches ihnen vorenthalten worden sei. Vierer fühlen sich wie Gottes vergessene Kinder und sehen nur den Reichtum der anderen, während sie kaum fähig sind, die Schönheit zu erkennen, welche das Leben ihnen tagtäglich präsentiert, da ihr sehnsüchtiger Blick in die Ferne schweift. Da sie selbst nicht genau wissen, was sie so sehr von den anderen unterscheidet, suchen sie ihre verlorene Identität und dafür tauchen sie in die tiefsten Tiefen der Seele, scheuen die Dunkelheit nicht, fühlen sich dort sogar geborgen und zuhause. Das Jenseits erscheint verführerisch, wenn Vierer sich allzu fremd und einsam fühlen und so neigen sie zu depressiven Verstimmungen. Sie finden Zuflucht in der Spiritualität, Psychologie und Mythologie. Jegliche Art von unerforschten Phänomenen faszinieren sie. Gleichermaßen haben Tabuthemen und Außerweltliches eine magnetische Anziehung auf Vierer und so lieben sie alles ‚Mystische‘. Sie sehen sich selbst am Rande der breiten Masse angesiedelt, sind eigensinnig und schwimmen mit Vorliebe gegen den Strom. Sie verachten den braven Bürger als dummes, leicht manipulierbares Schaf in der gehorsamen Herde. Diese Konformität macht sie wütend, ungehalten und bringt sie sogar beinahe zur Verzweiflung, denn Individualität und Authentizität sind die höchsten Werte und der größte Anspruch der Vierer an die Menschheit und an sich selbst. Der Schmerz des Andersseins, der Heimatlosigkeit, wird somit gewendet und alles daran gesetzt, ein Außenseiter zu bleiben, indem sie sich als etwas Besonderes, Elitäres wahrnehmen und präsentieren. Dabei bereitet es ihnen ein großes Vergnügen, mit ihrer Exzentrizität und Waghalsigkeit andere zu schockieren. Regeln, die sie für unsinnig halten, werden im Selbstverständnis ignoriert.
Gleichzeitig sind Vierer hochsensible Wesen, die mit einer intensiv turbulenten Gefühlswelt ausgestattet sind. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, innerhalb weniger Stunden können ihre Emotionen sie mit auf eine Achterbahnfahrt nehmen, wobei sie im Außen oft als äußerst launisch, gereizt und theatralisch wahrgenommen werden. Aus dem Grund werden Vierer auch oft als Drama Queens bezeichnet. Sie lecken ihre Wunden und schwelgen in ihrem Leid mit der Überzeugung, dass niemand so viel Schmerz ertragen muss und kann, wie sie selbst. Dabei erschöpfen sie sich emotional und auch körperlich extrem und brauchen sehr viel Zeit, um sich von diesen Gefühlsgewalten zu erholen. Da ihre aufgebauschten Emotionen dabei so raum– und existenzfüllend sind, sind Vierer der Überzeugung, dass sie einen Wegweiser zur eigenen Identität darstellen, und somit messen sie ihnen zu viel Bedeutung zu. „Es ist nicht fair“, zeigt wie sehr sich Vierer mit anderen vergleichen. Sie beziehen Taten und Worte der anderen stets auf sich und lassen zu sehr die Außenwelt ihren Wert bestimmen. Ihr verzweifelter Versuch, verstanden zu werden, lässt sie allzu gerne im Detail über sich und ihre Selbsterkenntnisse sprechen. Vierer finden oft ein Ventil für ihre intensive Innenwelt im künstlerischen Ausdruck und somit wimmelt es in der Kunstszene von Vierern. Inwiefern sie sich von der Masse absondern, variiert in Art und Intensität. Viele Vierer lieben die exzentrisch individuelle Selbstdarstellung im Außen, während andere sich mehr in ihre Studien über Mysterien zurückziehen und sich durch ihren Intellekt und ihre Feinfühligkeit als separat zur oberflächlichen Masse sehen. Da Vierer aber in ihrer unerlösten Form an Verlustangst, Einsamkeit und Depressionen leiden, ist ein Durchbrechen dieses Teufelskreises absolut lebensnotwendig.
Die Herausforderung besteht für Vierer darin, all ihre Makel als liebevollen Teil ihrer selbst anzunehmen anstatt sich dafür zu schämen, sich selbst nieder zu machen oder in umgekehrter Form sich arrogant von anderen abzuheben. Dies wird möglich, wenn sie die Aufmerksamkeit von sich selbst auf andere lenken und erkennen, dass die verachtete breite Masse eine Ansammlung von Individuen ist, die ebenso wie sie selbst „unvollkommen“ sind. Zusätzlich geschieht ein Wandel, wenn Vierer lernen, im Hier und Jetzt anzukommen, anstatt in der idealisierten Zukunft und der rosa gezeichneten Vergangenheit, der sie zu lange nachtrauern, zu verweilen. Wenn sie es schaffen, das Leben anzunehmen und gut zu heißen wie es ist und ihren Fokus von den düsteren Seiten des Lebens auf die lichten Seiten zu lenken. Der schönste Wandel geschieht jedoch, wenn der Schmerz der anderen sie aus ihrem eigenen erwachen lässt und sie ihren eigenen Schmerz transzendieren und heilen, indem sie unbeirrbar, mit vollster Hingabe und Empathie, den Schwächeren durch Zeiten von Verzweiflung führen. Dann werden sie ihren Platz auf dieser Welt finden und sich bedeutsam fühlen, und eine tiefe Dankbarkeit, Demut und Verbundenheit wird ihr Inneres erfüllen.
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