
Die Siebener
Die Enthusiasten. Die Spaßvögel. Die ewigen Optimisten. Siebener sind immerzu fröhlich, in ständiger Bewegung und flink wie ein Wiesel. Ideen kommen Ihnen in Blitzesgeschwindigkeit und erleuchten ihre Welt in atemberaubender Farbenvielfalt. Neugierig, was das Leben alles Aufregendes zu bieten hat und süchtig nach Erlebnissen, sind sie immer auf Achse und auf der Suche nach dem nächsten Kick. „Nichts ist unmöglich“, heißt das Motto des Siebeners, genauso wie „Ruhen kann ich wenn ich tot bin“. Langeweile ist der größte Dorn im Auge der Siebener und so befinden sie sich im ständigen Planen, die Zukunft aufregend zu gestalten mit genügend alternativen Optionen, sollte der ursprüngliche Plan ins Wasser fallen oder seinen Anreiz verlieren. Spontanität ist die Luft, die sie atmen. Sich für eine Sache zu entscheiden, birgt aber das Dilemma, zu anderen Möglichkeiten „nein“ sagen zu müssen und somit etwa eine tolle Erfahrung zu versäumen. Hier liegt die Angst der Siebener begraben, die als Kinder oft zu viel Verantwortung tragen mussten oder ihrer unbeschwerten Kindheit in irgendeiner Weise beraubt wurden, sodass sie als Erwachsene darauf bedacht sind, sich zwischen mühsamen Pflichten immer genügend Belohnungen einzuräumen. Siebener sind freiheitsliebend und brauchen das Abenteuer. Aus diesem Grund werden sie auch oft als Peter Pans bezeichnet, da sie eigentlich nie Teil der Erwachsenenwelt werden wollen, welche viel zu ernst und freudlos erscheint. Die Welt ist ein Süßigkeitengeschäft und jedes Zuckerl muss probiert werden. Gibt das Leben ihnen Saures, wird gleich positiv gedacht, denn dann verläuft das Leben wieder positiv, so die Überzeugung der Siebener. Kummer ist nicht nur eine Zeitverschwendung, sondern birgt auch die Gefahr, sie in eine Negativspirale zu ziehen. Also wird die düstere Erfahrung von einer anderen Perspektive belichtet, ihr wird ein neuer „Rahmen“ gegeben (Englisch „Reframing“), die Sorgen unter den Teppich gefegt und die nächste spaßige Aktivität geplant, denn das Leben hat ja so viel zu bieten! Die ewige Neugierde und die Angst, etwas zu verpassen, treibt sie voran und sie übersehen dabei leicht die Schönheit des Augenblicks. Sie planschen im seichten Wasser, wo die Sonnenstrahlen so schön funkeln und meiden die scheinbar verhängnisvolle Tiefe, die sie zu verschlucken und niemals wieder auszuspucken droht. Dass in der Tiefe zwischen Algen womöglich ein Schatz begraben liegt, halten sie für ein Gerücht und deshalb lohnt sich ein Abtauchen in Gefühlstiefen nicht. Siebener lieben ihr Leben und schweben ständig auf „Wolke Sieben“. Mit der Überzeugung geboren, dass ihnen die Welt zu Füßen liegt, idealisieren sie sich oft selbst und fühlen sich anderen überlegen. Diese leichte Selbstverliebtheit begründet ihre antiautoritäre Haltung und so gewinnen sie Freiheiten im Berufsleben, indem sie ihre Vorgesetzen mit viel Charme zu ihren Freunden machen und sich gern Vorteile gegenüber ihren Kollegen rausholen. Jedoch ist niemand einem Siebener lange böse und somit scheint es im Außen, als hätten sie freie Bahn, ein Leben, in dem sich alles von selbst fügt. Vordergründig bei der Berufswahl ist, Spaß mit den Kollegen zu haben und ein Gehalt, das ihre Freizeitaktivitäten finanziert. Mit ihren strahlenden, übermütigen Augen ziehen Siebener Menschen magnetisch in ihr Leben und scheinen das Geheimnis des Glücks zu kennen. Der Schein trügt aber. Denn so wie sie sich selbst von ihren Problemen und Schmerzpunkten abwenden, lenken sie ihr Gegenüber mit lustigen Geschichten ab, um etwaigen zwischenmenschlichen Konflikten aus dem Wege zu gehen. Das funktioniert bei oberflächlichen Beziehungen meist gut, doch bei nahestehenden Menschen führt diese kindliche Ignoranz und mangelnde Bereitschaft, sich den ernsten Dingen zu widmen, um persönliches und gemeinsames Wachstum zu ermöglichen, oft zu unendlicher Frustration. Zusätzlich kann die Naivität, zu glauben dass alles gut ist, sie wahre Gefahr übersehen lassen, da sie oft den falschen Menschen vertrauen. Eine weitere Tragik der Siebener liegt darin, dass sie sich verzetteln. Sie glauben, zwanzig Jonglierbälle gleichzeitig in der Luft halten zu können, und verlieren dadurch den Blick für das Wesentliche. Auf der Jagd nach mehr übersehen sie ihren eigenen Reichtum, bis sie das Kostbarste in ihrem Leben verlieren. Hierbei handelt es sich meist um die wichtigsten Menschen des Siebeners: ihre Partner, Familienangehörige und Freunde, die es irgendwann leid sind, sich als Plan B, C oder D zu fühlen.
Die Herausforderungen für Siebener bestehen darin, ihre Werte zu definieren und danach zu leben. Zu erkennen, dass weniger mehr ist, dass Beziehungen gepflegt werden müssen, um zu gedeihen und zu wachsen, um Bestand zu haben und sie reichlich zu beschenken. Weigern sich Siebener, diesen Schritt weg von übertriebenem Konsum zu machen, wird sie das Leben immer und immer wieder mit ihren verdrängten Problematiken in geballter Form konfrontieren. Lernen Siebener jedoch den Wert von schmerzlichen Erfahrungen als Wegweiser des Lebens zu erkennen und wagen sie den Blick in ihre ‚verlorene‘ Kindheit, können sie ihr inneres Kind annehmen und ihr begrabenes Trauma heilen, indem sie sich dabei trauen, alle Phasen des Kummers zu durchleben. Sie werden nicht nur erkennen, dass sie es überleben, sondern dass sie durch das Hindurchschreiten durch den Schmerz und durch das Annehmen der dunklen Seiten des Lebens die darauffolgenden hellen Seiten umso erfüllender erfahren und dann Dankbarkeit für die kleinen Wunder im Leben zu empfinden vermögen. Sie werden imstande sein, ihr Leben mit einer Gelassenheit und Zuversicht zu bewältigen und ihrem Körper und ihrer Seele die Ruhe geben, die sie so sehr benötigen.