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Die Zweier

Die selbstlosen Märtyrer. Die Schmeichler. Die aufopfernden Seelen, die jede Gelegenheit nutzen, um zu Diensten zu sein. Zweier sind liebevolle, aufmerksame und großzügige Menschen. Geben, helfen und für andere da sein ist ihr Lebensinhalt. Sie blühen regelrecht auf, wenn man sie um Hilfe bittet, denn dann fühlen sie sich wertgeschätzt. Sie sind stets positiv gestimmt, knausern nicht mit Komplimenten und Schmeicheleien und achten darauf, dass sich das Gegenüber bestätigt und aufgebaut fühlt. Zweier haben das Talent, anderen Menschen die Wünsche von den Augen abzulesen und wissen oft, was die andere Person braucht, bevor diese es selbst weiß. Mit einem Fokus auf die anderen, stehen natürlich Familie und jegliche zwischenmenschlichen Beziehungen an erster Stelle. Sie versuchen am Leben jedes Menschen, der ihnen begegnet, teilzuhaben und mischen sich oft in Angelegenheiten, die sie nichts angehen und rechtfertigen ihr aufdringliches Verhalten mit „ich will ja nur helfen“. Sie sehen sich als rechte Hand Gottes und scheinen eine Quelle unendlicher Liebe zu sein. Zweier haben immer ein warmes Lächeln auf den Lippen und mitfühlende Blicke.

Die Wertschätzung, die sie den anderen entgegenbringen, finden sie aber so schwierig bei sich selbst, denn sie sind überzeugt davon, man müsse sich Liebe verdienen. Der Ursprung dieses Irrglaubens liegt meist in einem echten oder wahrgenommenen Liebesmangel in ihrer Kindheit und der daraus entwickelten Überzeugung, sie seien nur dann liebenswert, wenn sie von Nutzen sind. Somit ist das Gefühl gebraucht zu werden für Zweier fundamental, denn es bestimmt nicht nur ihren Wert, sondern auch ihre Daseinsberechtigung. Fühlen sich Zweier ohne Zweck für andere, fallen sie leicht in eine Existenzkrise „Wieso bin ich hier? Welchen Wert habe ich, wenn mich niemand braucht?“ Dabei ist ihnen gar nicht bewusst, wie emotional bedürftig sie eigentlich wirklich sind und wie sie insgeheim den Wunsch hegen, die Liebe zurückzubekommen, die sie aus ihrer Sicht so bereitwillig geben und die ihnen gleichzeitig so sehr fehlt. Sie selbst sind mit Aufmerksamkeit und der Frage nach ihren eigenen Bedürfnissen oft komplett überfordert, denn das ist eine Frage, die sie sich selbst nie wirklich stellen. „Ich bin glücklich, wenn du glücklich bist“ ist eine häufige Antwort, um den Blick wieder von sich abzuwenden, denn da liegt ein tiefer Schmerz begraben. Da Zweier ihre Dienste den anderen ständig anbieten und einfach nicht die Fähigkeit besitzen, zu Bitten nein zu sagen, werden sie oft schamlos ausgenutzt. Bekommen Zweier keine oder in ihrem Ermessen zu wenig Dankbarkeit, schmollen sie oder werden schnippisch. Dem Übeltäter ist aber schnell verziehen, wenn dieser einsichtig ist und Reue für sein egoistisches Verhalten zeigt. Fehlt mehrfach die Wertschätzung und jegliches Pflichtgefühl dem Zweier gegenüber, können sie sich selbst durch einen noch so kleinen Auslöser in Kürze in einen feuerspeienden Drachen verwandeln und die anderen, die sich meist keiner Schuld bewusst sind und womöglich mit ganz anderen Themen beschäftigt, oft komplett vor den Kopf stoßen. Der aufwallende Schmerz der Zweier und deren Wut wird zusätzlich gefüttert durch die Erschöpfung des pausenlosen Energie-nach-außen-fließen-Lassens. Die versteckten Erwartungshaltungen des Zweiers an die anderen werden nicht erfüllt und diese in Folge als undankbar beschimpft. „Wirst schon sehen wie gut du ohne mich zurechtkommst!“, ziehen Zweier sich beleidigt zurück und lecken ihre Wunden. Sie sind sich ihres Nicht-geliebt-Seins schmerzlichst erinnert und sehen aber nicht wie sie mit ihrem Verhalten unentwegt daran sind, Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen, sich unersetzlich zu machen und zB ihren Partner an sich zu binden, nur um sich selbst nicht mehr einsam und alleine zu fühlen. Werden sie sich ihrer eigenen Abhängigkeit bewusst, setzen manche Zweier alles daran, dem Partner zu beweisen, wie selbstständig und unabhängig sie nicht sind, nur um seine Bedürftigkeit zu schüren und somit versteckt Kontrolle auszuüben. Somit haben Zweier eine sehr starke Neigung zum manipulativen Spiel. Das Objekt ihrer Begierde ist meist jemand, der etwas unerreichbar zu sein scheint, denn Zweier lieben die Herausforderung in Liebesangelegenheiten. Unter ihrer charmanten und verführerischen Art liegt der Stolz begraben, dass sie imstande sind, jedes Herz für sich zu gewinnen. Zweier suchen sich auch gerne Partner mit Status, wo sie versteckt alle Fäden in der Hand haben und somit etwas von seinem Ansehen auf sie abfärbt. Sie erkennen dabei nicht, dass mit all den Bedingungen und Kontrollversuchen sie der reinen Liebe nicht den Raum geben, den sie brauchen würde, um zu gedeihen.

 

Für Zweier ist es absolut notwendig zu würdigen, dass Liebe ein Kind der Freiheit ist. Liebe ist ein Geschenk und jede Erwartung an dieses Geschenk mindert ihren Wert und ihr Wunder. Als nächstes ist zu verstehen, dass das Außen immer in Resonanz mit dem Innen ist und dass ein Geben, das den Ursprung in einem Mangelgefühl hat, immer an die Hoffnung geknüpft ist, dass ein anderer dieses Manko füllt. Zweier müssen unbedingt den Mut und die Ehrlichkeit finden, sich dieses Leeregefühl einzugestehen. Erst dann erkennen sie ihre eigene Bedürftigkeit und können im Rückzug ihren Blick in ihr Inneres wenden, ihre Einsamkeit akzeptieren und sich selbst die Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit schenken, nach der sie sich so sehnen. Somit werden sie ihre Energiereserven auftanken und einen natürlichen Respekt der Menschen erhalten, denn nichts ist so attraktiv und anziehend wie ein Mensch, der sich seines wahren Wertes bewusst ist. Im liebevollen Umgang mit sich selbst werden Zweier eine Gelassenheit gegenüber den Menschen entwickeln, die ihnen keine Achtung schenken und sie werden vertrauen lernen, dass sie sich die Menschen in ihr Leben ziehen, die sie für die Person lieben, die sie wirklich sind.

 

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