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Die Dreier

Die Spitzenreiter. Die Publikumslieblinge. Die erfolgreichen Menschen mit dem sprichwörtlichen „midas touch“, bei denen alles was sie berühren zu Gold wird, zumindest hat es diesen Anschein. Dreier scheinen zu wissen, was sie in ihrem Leben erreichen wollen, wie sie es erreichen und das am schnellsten und effektivsten Wege. Sie sind attraktiv, dynamisch, selbstbewusst und siegessicher. Es sind die Menschen, die in einem Jahrzehnt oft mehr erreichen als andere in ihrem ganzen Leben. Dreier verkörpern den Glaubenssatz: „Alles ist möglich, wenn man nur an sich selbst glaubt und unbeirrt sein Ziel verfolgt.“ Doch genau in dieser Unbeirrbarkeit liegt das Dilemma der Dreier begraben. Sie sind Herzmenschen und wollen zwischenmenschliche Beziehungen, doch gleichzeitig sind sie der Überzeugung, nur dann liebenswert zu sein, wenn sie in ihrer Arbeit erfolgreich sind. Dreier erzählen von einem Familienhaus, in dem sie das Gefühl hatten, die Aufmerksamkeit nur dann von zumindest einem Elternteil zu bekommen, wenn sie besondere Leistungen erbrachten. Der Glaube, erst jemand werden zu müssen, um eine Daseinsberechtigung zu haben, treibt sie ihr ganzes Leben lang in ein zwanghaftes Aktiv-Sein. Dabei definieren ihr Ansehen, der Respekt und die Anerkennung der anderen ihren Wert. Also setzen sie sich das Ziel, in der Gesellschaft und in ihrer Gemeinde zu glänzen und glauben, ihre Herzensbedürftigkeit so zu befriedigen. Den Fokus haben sie immer am Produkt, am Endergebnis, und dieses ist in letzter Instanz der Status und das Image, welches Erfolg mit sich bringt. Dabei hat nur das, was sich vermarkten und verkaufen lässt, einen Wert. Spirituelle und philosophische Werte werden nur dann vertreten, wenn sie die Selbstdarstellung fördern und werden abgelegt, wenn sie diesen Nutzen verlieren. Dreier machen vor nichts Halt, um ihr Ziel zu erreichen. Wenn die Lüge sie ans Ziel bringt, wird die Lüge als Wahrheit angesehen und als diese verkauft. Jedes Mittel, den bodenlosen Versagensschmerz nicht zu fühlen, ist recht und so haben Dreier auch die Gabe, Misserfolg als Erfolg zu maskieren. Auf diesem Weg dürfen ihnen ihre Emotionen natürlich keinen Strich durch die Rechnung machen. Gefühle sind nur lästige Ablenkungen und nur ein Verlierer erlaubt sich, emotional zu sein und so flüchten Dreier sich ständig in ihre Arbeit.

Dreier sind die Star-Darsteller, die ehrgeizigen Führer, sie werden auch die charmanten Chamäleons des Enneagramms genannt, da sie in einer Gruppe von Menschen instinktiv wissen, in welche Rolle sie schlüpfen müssen, was sie zu sagen oder wie sie sich zu verhalten haben, um diese Gruppe zu beeindrucken und von ihr bewundert zu werden. In der Gruppe fühlen sie sich bedeutsam, doch das persönliche Gespräch verunsichert sie. Mit ihrem Posieren in der Menge vermitteln Dreier ein ständiges „Schaut mich an“! Die Tragik hierbei ist, dass sie im Laufe ihres Lebens so viele Rollen einstudieren und diese immer sofort griffbereit sind, dass die einzige Person, zu der sie nur schwer Zugang finden, sie selbst sind. Sie identifizieren sich mit ihrem Image und dieses gilt es mit viel Mühe aufrecht zu erhalten. Dreier unterdrücken ihre Erschöpfung, die der ständige Antrieb, der Beste zu sein und der Beste zu bleiben, unweigerlich mit sich bringt, indem sie sich selbst innerlich anfeuern mit „Du schaffst das! Wenn nicht du, wer dann?“. Das von sich selbst in der Superlative Denken kann sogar ins Verbale überschwappen und im Außen als Selbstverliebtheit wahrgenommen werden, wenn doch in Wahrheit diese raum-einnehmenden Persönlichkeiten unter ihrer Fassade alles andere als ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein besitzen. Aber um immer der Beste zu sein, ist man in ständigem Konkurrenzkampf mit anderen und so macht man sich keine Freunde. Was also auf der Strecke bleibt, ist ein gesundes Sozialleben. Ehepartner und Kinder fühlen sich ignoriert und sind unglücklich, weil nie Zeit für sie gefunden wird. Interesse und Aufmerksamkeit sind kurzlebig und oberflächlich, da Dreier in Gedanken bei ihrer Arbeit verweilen. Freunde und Arbeitskollegen werden es früher oder später leid, immer nur in Konkurrenz zu stehen oder zuzuhören, wie sich Dreier ununterbrochen selbst beweihräuchern. So kann es passieren, dass Dreier von den Menschen, die eigentlich imstande sind, sie für die Person zu lieben, die sie sind, verlassen werden. Oft braucht es aber solch drastische Ereignisse, um sie aus ihren Rollen aufzuwecken.


Eine Wende kann für Dreier stattfinden, wenn sie regelmäßig in dem Moment innehalten, in dem Gefühle hochkommen und sie den Drang verspüren, in Aktion zu treten. So können sie aus ihrem Erfolgswahn austreten, ihren Emotionen Raum geben und sich vor allem ihre Misserfolge fühlen lassen. Es wäre essentiell für Dreier, den Mut zu finden, ihre schmückenden Federn regelmäßig abzulegen und sich zu erlauben, nackt und eine/r von vielen zu sein, um ein realistisches Bild ihrer selbst zu bekommen. Den Mut dazu können sie fassen, indem sie zuerst bei sich selbst und dann bei einer Vertrauensperson beginnen, ihr wahres Ich zu zeigen. Zudem ist es fundamental für Dreier zu verstehen, dass sie Menschen mehr beeindrucken, wenn sie authentisch und sie selbst sind, mit all ihren Macken und Fehlern, denn die machen sie menschlich und vor allem liebenswert. Ein weiterer Schritt zu lernen ist, dem Gegenüber die Aufmerksamkeit und Bewunderung zu schenken, die man normalerweise nur sich selbst zuwendet. Das aufrichtige Interesse an der anderen Person wird aufrichtiges Interesse an der eigenen Person schüren und so werden sie sich wertvoll fühlen als die Person, die sie wahrlich sind, Erfolg neu definieren und mit einem tiefen Herzvertrauen ihren Lebensweg verfolgen.

 

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